Schizophrenie-Medikamente an Heimkindern getestet

Schizophrenie-Medikamente an Heimkindern getestet

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Wer mit Schizophrenie oder einer anderen schweren psychischen Krankheit lebt weiß ganz genau, wie eklig sie sein kann. Zwar wäre das Leben in vielen Fällen unerträglich, wenn es keine Medikamente gäbe. Die sind unverzichtbar, aber wissen Sie, wieso Sie diese Medikamente gekriegt haben.

Oft sind Heimkinder Versuchskaninchen, und nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heutzutage!

Neulich berichtet eine Pharmakologin, dass elternlose Kinder in Essen im Alter zwischen fünf und sieben Medikamente zu Versuchszwecken erhalten. Sie hat das während einer Versuchsreihe in dieser Stadt aufgedeckt.

Die Kinder bekamen ein beruhigende Neuroleptikum, das typischerweise bei Psychosen oder Schizophrenie verschrieben wird. Vielleicht hätte niemand davon erfahren, wenn die Ärzte zu hoher Dosierungen nicht gegeben hätten. Doch machten sie das genau, und dann wurde eine Reihe psychischer Veränderungen bei den Kindern beobachtet.

Die Pharmazeutin Sylvia Wagner hat diese Daten im Archiv des Konzerns Merck entdeckt. (Die Medikamente wurden vom Konzern Merck hergestellt). Die Pharmakologin war schon länger mit Medikamententests beschäftigt und hatte über Versuche in anderen Heimen berichtet.

Natürlich haben Merck die Vorwürfe abgelehnt.

Ihr Sprecher berichtet, das es zwar solche Versuche gab, aber die fanden im Auftrag des Unternehmens nicht statt.

Da das Unternehmen unterschiedlichsten Einrichtungen die Testung des Arzneimittels ermöglichte, ist der Arzt für diese Folgen verantwortlich. Nach Kenntnis des Unternehmens ist nichts Ungesetzliches passiert und die Frage nach Wiedergutmachung besteht nicht. Merck fördert die Aufarbeitung der Fälle.

Journalisten haben im Essener Heim nach dem Ereignis gefragt. Die Leute im Heim haben angegeben, das sie Kontakt zu den Betroffenen aufgenommen haben.

Die Sprecherin des Heims fügte hinzu, die Medikamentenvergabe bei der Aufarbeitung im Jahr 2012 von historischen Missbrauchsfällen ein Thema gewesen sei.

Keine Hinweise auf Medikamententests wurden von Experten gefunden.

Mehr als 50 Versuchsreihen haben nach Angaben historischer Fachzeitschriften bundesweit stattgefunden. Zum Beispiel wurden vor einigen Jahren irgendwelche Medikamente mehr als 40 Kindern in der Jugendpsychiatrie Viersen-Süchteln gegeben, und es stellte sich heraus, sie sind mit dem Neuroleptikon Dipiperon behandelt worden.

Warum?

Die Ärzte hofften darauf, dass das Medikament kindliche Verhaltensstörungen besiegen könnte. Zwischen 1950 und 1975 waren Libido hemmende Medikamente, Impfstoffe, und Psychopharmaka an Kindern getestet, da Heimkinder zu dieser Zeit weitgehend rechtlos waren.

Es lässt sich viel mehr zum Thema schreiben, jedoch tun wir das nicht. Es scheint, als ob Heimkinder immer noch rechtlos sind.

Einerseits tun ihre Erlebnisse uns Leid. Andererseits wurden viele dieser Medikamente erfolgreich bundesweit und europaweit vertrieben und die helfen kranken Leuten.