Hormonbehandlung für Männer – im Kommen?

Hormonbehandlung für Männer – im Kommen?

TEILEN

Dürfen wir erwarten, dass Männer in der Zukunft auch Hormonbehandlung kriegen werden? Eigentlich haben Mediziner schon solche Pille für Männer versucht zu entwickeln, aber sie haben daran gescheitert, da Männer die Nebenwirkungen nicht tolerieren. Doch gibt solche auch bei Frauen, die mit diesen einfach abfinden müssen.

Was Hormonbehandlung und solche Sachen angeht sind für Frauen andere Maßstäbe gültig als bei Männern, und dass lässt sich bis heute merken. Wissenschaftler haben die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, bei der es um eine hormonelle Verhütungsmethode für Männer ging. Die Forscher haben die Untersuchung mit mehr als dreihundert Versuchspersonen weltweit 2011 abgebracht, obwohl die Ergebnisse sich als sehr positiv herausstellten.

Die Pille für Männer

Dieser Hormoncocktail wurde Pille für den Mann benannt. Er hat die Spermienproduktion so drastisch reduziert, dass die Männer vorübergehend unfruchtbar geworden sind. Eigentlich waren die Versuchspersonen überwiegend zufrieden. 80 % von ihnen hatten Lust, die Hormone weiter zu nehmen. Dann warum haben Forscher das Experiment abgebracht?

Wegen der zahlreichen Nebenwirkungen, darunter Akne, Stimmungsschwankungen, Änderungen an der Libido (vermindert oder gestiegen), Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfweh und viele andere. Auch Frauen leiden unter ähnlichen Problemen, darunter auch Muskelschmerzen und Gewichtszunahme, aber es scheint, als ob niemand sich darum kümmert. Frauen erleiden auch Thrombosen und andere, sehr gefährliche Nebenwirkungen.

Laut der Soziologin Paula Villa von der Ludwig-Maximilians-Universität München sei es letztlich eine Frage der Zumutbarkeit, auf der man für Männer und Frauen verschieden antwortet, und bestimmt zum Vorteil von Männern. Es lässt sich merken, dass man mit Hormonbehandlungen bei Männern ausgesprochen viel vorsichtiger umgeht.

Warum werden Frauen als minderwertig betrachtet?

Laut der Soziologin Malich gibt es zwei Gründe dafür. Der erste liegt im historischen Ort der ersten Experimente mit Hormonen – Frauenkliniken. Männer vermieden diese Orte lieber – auf jeden Fall hielten sie sich dort nicht als Patienten. Ärzte machten in diesen Kliniken auch andere Versuche, darunter solchen mit Tierorganen.

Der zweite Grund bezieht sich auf die medizinische Kultur vor 100 – 200 Jahren. Frauen wurden viel häufiger behandelt und mit viel mehr, stärkeren Medikamenten im Vergleich zu Männern, die als die gesunde Norm gegolten haben. Einerseits war die Antibabypille als emanzipatorische Errungenschaft betrachtet – endlich konnten Frauen selbst die Entscheidung treffen, ob sie ein Kind wollen oder nicht. Andererseits zahlten sie dafür einen hohen Preis. Das haben sie damals nicht erkannt.

Die enormen, heftigen Nebenwirkungen dieses Medikaments waren zu dieser Zeit nicht bekannt. Die Pille war dann viel höher dosiert im Vergleich zu den Pillen von heute. Es kam sogar zu einer Anhörung zu den Nebenwirkungen im US-Senat im Jahr 1970. Trotz dieser Anhörung haben Frauen immer noch die Pille genommen und unter den Nebenwirkungen stillschweigend erlitten. Heutzutage wäre es viel schwerer, ein Medikament wie die Pille auf den deutschen Markt anzubieten laut Christoph Friedrich von der Universität Marburg,  Pharmazie-Historiker.

Es gab keine verbindlichen Regeln für Medikamententests vor der Einführung der Arzneimittelgesetze in Deutschland seiner Meinung nach. Aus diesem Grund waren Arzneimittel innerhalb 2 Jahre in den Apotheken erhältlich. Heute müssen mehr als 10 Jahre vergehen bevor ein neues Medikament in den Apotheken erhältlich wird.